Man on wire

Die USA im Jahr 1974. Die Themen, die die Menschen beschäftigen, sind Watergate, der Vietnamkrieg, die Ölkrise. Im Februar wird Patty Hearst, die Enkelin des Medienmoguls William Randolph Hearst, von einer linksradikalen Gruppierung entführt, der sie sich später selber anschliesst. Im April fordert eine Serie von Tornados über 300 Todesopfer. Am 8. August kündigt Richard Nixon seinen Rücktritt an. Und einen Tag vorher war die Silhouette eines schwarzgekleideten Mannes im Himmel über New York erschienen – Philippe Petit tanzte auf einem zwischen den Türmen des World Trade Center gespannten Seil. Monatelang hatte er Vorbereitungen getroffen, sich mithilfe von Komplizen Zugang zu den im Bau befindlichen Türmen verschafft, nach und nach Material in die oberen Stockwerke gebracht und dort versteckt. Nun lief, nein: tanzte er auf dem Seil wie in Trance, legte sich zwischendurch sogar auf den Rücken und narrte die Polizisten und Sicherheitskräfte auf beiden Türmen, indem er jeweils kurz vor Erreichen eines Seilendes wieder umkehrte. Nach 45 Minuten verliess er das Seil und wurde umgehend festgenommen, jedoch kurz danach wieder freigelassen.

Philippe Petit hat noch viele spektakuläre Stunts unternommen, dieser war aber wohl einer der aufsehenerregendsten und erhielt Jahrzehnte später durch das Attentat auf die Twin Towers noch einmal eine besondere Bedeutung. Bücher wurden darüber geschrieben und ein Film gedreht, der sehr empfehlenswerte Man on wire von James Marsh.

Und auch Colum McCann, ein irischstämmiger, in New York lebender Autor, hat sich davon inspirieren lassen, und herausgekommen ist „Die grosse Welt“ (im Original „Let the great world spin“). McCann nimmt den Drahtseilakt von Philippe Petit als Ausgangspunkt und erzählt darum herum die fiktiven Geschichten von New Yorkern, die Zeugen davon wurden. Jene von Claire zum Beispiel, deren Sohn in Vietnam gestorben ist und die an diesem Tag andere trauernde Mütter aus ihrer Selbsthilfegruppe in ihrer schicken Wohnung an der Park Avenue empfängt. Oder die der Computerfreaks der ersten Stunde, die sich von Kalifornien aus ins Telefonnetz hacken und öffentliche Telefonzellen in New York anwählen, in der Hoffnung, ein Passant möge abheben und ihnen live von dem unglaublichen Ereignis berichten.

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Eines meiner Lieblingsbücher von einem meiner Lieblingsautoren. Dazu musste ein typisch amerikanisches Rezept her, und ja, ich weiss: Rezepte für Cookies gibt es wie Sand am Meer, und wahrscheinlich hat eh schon jeder sein persönliches Lieblingsrezept. Trotzdem, hier eines, das mir besonders gut gefällt – die Cookies werden richtig schön gooey. Inspiriert von Smitten kitchen, leicht adaptiert und stark entsüsst. Hier die Basisvariante, auch sehr gut mit 100-150g gehackten Nüssen und zweifellos auch mit Haferflocken wie im Original, was ich aber noch nicht getestet habe.

115g Butter, Raumtemperatur

250g Zucker (hier: halb weiss, halb braun)

1 TL Salz

1 TL Vanillezucker

1/2 TL Zimt

1/4 TL Muskat

1/8 TL gemahlene Nelken

1 TL Backpulver

2 grosse Eier

195g Mehl

250g Schokolade, grob gehackt

Ofen auf 175°C vorheizen. Butter schaumig rühren, Zucker, Salz und Vanillezucker dazu. Dann die Eier einzeln einrühren. Gewürze und Backpulver unter das Mehl sieben, diese Mischung in zwei Etappen unter die Buttermasse rühren. Schokolade dazu, mit einem Esslöffel Häufchen auf einem mit Backpapier ausgelegten Backblech machen (viel Abstand lassen, die Cookies laufen sehr auseinander). 10-12 min backen.

Unbedingt wollte hiermit ich an dem schönen Event „Lesehunger“ von Shermin teilnehmen und habe es nun noch geschafft.

Scheiterhaufen, frühsommerlich

Hach, Blogevents allüberall, wohin man auch blickt in der weiten Welt der foodblogs. Schön, auf was für Ideen einen manche bringen, man möchte ganze Wochenenden testkochend oder -backend in der Küche verbringen …. den hier (oder das Event ?) kann man sich als Österreicherin eigentlich gar nicht entgehen lassen.

Blog-Event LXXXVIII - Oesterreich kulinarisch (Einsendeschluss 15. Juni 2013)

Mich hat er zu einem Scheiterhaufen inspiriert, einem typischen Resteverwertungsgericht, in dem Fall für altbackenes Brot. Klassisch kommen Äpfel in den Scheiterhaufen, ich habe sie hier, der Jahreszeit angepasst, durch Rhabarber und ein paar Himbeeren ersetzt.

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550g Rhabarber  (gewogen nach Putzen und Schälen)

100g Himbeeren

5 EL Zucker

250g altbackenes Weissbrot (hier: Brioche, Knödelbrot geht auch)

Für den Guss:

1/4 l Milch (wer’s üppiger mag, kann einen Teil davon durch Sahne oder Sauerrahm ersetzen)

2 Eier

3 EL Zucker

1 Prise Salz, etwas Vanillezucker

Rhabarber in Stücke schneiden und mit etwas Wasser und Zucker aufkochen, ein paar Minuten köcheln lassen. Der Rhabarber soll sozusagen al dente sein.

Das Brot in Scheiben schneiden. Für den Guss Milch mit  Eiern,  Zucker, Salz und Vanillezucker verrühren.

Nun abwechselnd Brot und Rhabarber in eine ofenfeste Form schichten, dabei die Himbeeren dekorativ auf dem Rhabarber verteilen und mit Brot abschliessen. Dann die Eiermilch darübergiessen und bei 180°C ca. 30 min backen.

Panna cotta mit Kardamom und Rhabarberkompott

Ein einfaches und schnelles Rezept zur Verwertung meines Rhabarberkompotts mit Minze (einer meiner derzeitigen Lieblinge). Für das Kompott habe ich keine Mengenangaben notiert, einfach Rhabarber in Stücke schneiden und mit – hier: braunem – Zucker nach Geschmack und etwas Wasser einkochen lassen. Und viiiieeel Minze natürlich, die ich mit einem Teil des Zuckers im Häcksler zu Minzzucker verarbeitet und kurz vor Ende der Kochzeit zum Rhabarber gegeben habe. Das ergibt ein sehr flüssiges Kompott, was mich nicht stört; ansonsten kann man auch mit etwas Stärke abbinden.

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Für die Panna cotta habe ich mich an ein Rezept aus „Die echte italienische Küche“ gehalten: 2 Blatt Gelatine in kaltem Wasser einweichen. 500g Sahne mit 50g Zucker und den Samen aus 10-12 Kardamomkapseln (im Original: Mark einer Vanilleschote) langsam erhitzen, etwa 15 min leicht köcheln lassen. Die Sahne abseihen, die Gelatine darin auflösen, in kalt ausgespülte Gläser oder Förmchen füllen, kalt stellen und fest werden lassen.

Holunder-Mohn-Eclairs

Viel gibt mein Blog zwar noch nicht her – 1 Rezept, um genau zu sein -, aber ich bin jetzt einfach mal so frei und reiche einen Beitrag für Frau Fröhlichs Cakebook of Seasons ein. Der Holunder hat mich inspiriert, die Holunderblüte genauer gesagt, und herausgekommen sind Mini-Eclairs mit einer Holunder-Mohn-Fülle.

Eclairs erfordern zwar einige Arbeitsschritte, aber man kann sie sehr gut vorbereiten. Die Fülle wird sowieso am besten bereits am Vortag zubereitet, und auch die Eclairs kann man gut einen Tag vorher backen und ungefüllt aufbewahren.

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Holunder-Mohn-Eclairs

Für den Brandteig (ergibt ca. 15 grosse Eclairs)

Je 125g Wasser und Milch

3g Salz

100g Butter

150g Mehl

250g Eier

Milch, Wasser, Butter und Salz in einem Topf zum Kochen bringen, vom Herd nehmen und mit einem Kochlöffel das Mehl unterrühren. Wieder auf  die Platte stellen und bei geringer Hitze etwas weiterrühren, bis der Teig einen Klumpen formt und sich vom Boden und den Wänden des Topfs löst. Leicht abkühlen lassen. Dann nach und nach die Eier einrühren – 250g entsprechen ungefähr 5 Eiern, die vorher verschlagen und portionsweise zum Teig gegeben werden. Unbedingt schrittweise arbeiten und jede erneute Eizugabe gut einarbeiten. Die Konsistenz soll so sein, dass eine deutliche Furche bleibt, wenn man den Stiel des Kochlöffels durch den Teig zieht.

Mit dem Spritzbeutel Eclairs auf ein mit Backpapier ausgelegtes Blech spritzen (ca. 10 cm lang, ich habe dieses Mal Mini-Eclairs gemacht, die sind 4-5 cm lang). Genug Abstand halten, da Brandteig sehr aufgeht. Bei 180°C ca. 20 min. backen (bei mir funktioniert es am besten mit Unterhitze kombiniert mit Umluft). Keinesfalls zu früh den Ofen aufmachen, sonst fällt alles elendiglich zusammen ! Auf einem Gitter auskühlen lassen.

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Für die Füllung

240g Sahne

500g Mascarpone

180g Zucker

2 Blatt Gelatine

2 EL ganzer Mohn

ca. 10 grosse Holunderdolden (ersatzweise Holundersirup, in dem Fall würde ich die Zuckermenge reduzieren)

Die Holunderdolden abspülen und abtropfen lassen. Die Sahne in einen Topf geben, die Holunderdolden dazu (noch besser: in einem Musselintuch in die Sahne hängen) und 1-2 Stunden ziehen lassen. Gelatine in kaltem Wasser einweichen. Die Sahne erwärmen, ein paar Minuten auf kleiner Hitze lassen, dann die Holunderblüten herausnehmen. Sahne durch ein Sieb filtern und nun mit dem Zucker erwärmen, bis dieser aufgelöst ist. Die abgetropfte Gelatine dazugeben und rühren, bis diese ebenfalls aufgelöst ist. Etwas abkühlen lassen und dann Mascarpone und Mohn einrühren. Kaltstellen, am besten über Nacht.

Endspurt

Mit einer kleinen spitzen Tülle je zwei Löcher in die Unterseite der Eclairs machen, durch diese kommt nun die Fülle per Spritzbeutel rein. Man kann die Eclairs auch einfach der Länge nach durchschneiden und so füllen.

Ich habe hier eine einfache – und auftragungstechnisch noch verbesserungswürdige – Glasur aus Zitronensaft und Puderzucker gemacht. Typisch französische éclairs werden mit Fondant zugepappt glasiert, den es fertig zu kaufen gibt und der unter Zufügung von Lebensmittelfarbe farblich der Fülle angepasst wird.

Quelle: Das Brandteigrezept wird so in Frankreich in Berufsschulen für Konditoren verwendet. Für die Fülle habe ich ein Rezept von Christophe Adam abgewandelt, und zwar aus seinem Buch „Eclairs !“.

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Madeleines au cardamome

Es gibt verschiedene Geschichten zum Ursprung dieses typisch französischen Gebäcks. Eine davon besagt, dass König Stanislas I. Leszczyński, Herzog von Lothringen, gerne rauschende Feste auf seinem Schloss gab. Eines Tages machte sich sein Konditor kurz vor einem Empfang aus dem königlichen Staub, worauf die Anfertigung der Nachspeise einer Kammerzofe anvertraut wurde. Diese buk aus dem Gedächtnis eine Spezialität ihrer Grossmutter nach – ebendieses Gebäck in der charakteristischen Muschelform, das einen solchen Erfolg hatte, dass es nach ihr benannt wurde und fortan „Madeleine“ hiess.

Wie es sich für einen Küchenklassiker gehört, gibt es natürlich Rezepte wie Sand am Meer. Es wird oft behauptet, die typische „Beule“ könne nur durch einen möglichst grossen Temperaturschock erreicht werden, der Teig müsse also vor dem Backen mindestens eine Stunde, besser noch eine Nacht in den Kühlschrank und dann direkt in den vorgeheizten Backofen. Für mich hat aber das folgende einfache Rezept auch ohne diese Vorkehrungen wunderbar funktioniert. Es ist von Sophie Dudemaine, der französischen Cake-Koryphäe. Das Original enthält Zitrone, die ich durch Kardamom ersetzt habe.

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Für ca. 20 Stück:

3 Eier

120g Mehl

100g Zucker (im Original: 120g)

120g Butter

1/2 Päckchen Backpulver

1 Prise Salz

6 Kapseln Kardamom (im Original: Schale und Saft einer unbehandelten Zitrone)

Ofen auf 240°C vorheizen. Butter schmelzen, die Kardamomsamen aus den Kapseln kratzen und dazugeben. Mehl, Backpulver und Salz vermischen, die Eigelb unterrühren. Die Eiweiss mit einer Gabel leicht schaumig schlagen, dann ebenfalls unterrühren. Die abgekühlte Butter durch ein Sieb zum Teig giessen, verrühren.

Die Formen (falls nicht antihaftbeschichtet) ausbuttern und mit Mehl ausstäuben, mit je einem EL Teig füllen (die Mulden sollen nicht mehr als zu 3/4 voll sein). Ca. 4 min bei 240°C backen, dann weitere 4 min bei 180°C.

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